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»Alle bekloppt geworden. Und nun das Wetter…«

Mit Witz und Charme fürs Bildungszentrum: Tolle Ausstellung im Biz über den Irrsinn dieser Welt


Wieder einmal wird eine Auswahl der besten Bilder 2016 der Galerie CARICATURA in den Räumlichkeiten des Bildungszentrums gezeigt. Das Bildungszentrum sprach deswegen mit Martin Sonntag, Leiter der Galerie in Kassel und Betreiber der Agentur.

Was ist das Besondere an der CARICATURA?
Die CARICATURA ist die führende Einrichtung für den Bereich „Komische Kunst" in Deutschland – mit einer Galerie in Kassel, einem Museum in Frankfurt und einer interagierenden Agentur. Wir sind die einzige Einrichtung in Deutschland, an der Nachwuchsarbeit im Bereich Cartoon und Karikatur geleistet wird. Wir betreiben dafür die Sommerakademie zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen aus Frankfurt und von der Titanic.

Warum machst du die Arbeit? Was bedeutet sie dir?
Die Komische Kunst hilft hervorragend den Irrsinn der Welt zu ertragen. Ich bin in einer kleinen ostwestfälischen Stadt groß geworden, und damals hat mir die „Titanic“ (Satirezeitschrift; Anm. d. R.) mit ihrer Art von Satire und Komik gezeigt, dass es da draußen doch noch eine andere und vor allem komischere Welt gibt. Diese habe ich dann mehr oder weniger zufällig in Kassel wiedergefunden. Denn als ich dort mein Studium aufnahm, gab es bereits Aktivitäten der CARICATURA in der Stadt. Mittlerweile streben wir die Weltherrschaft an – also die Weltherrschaft für die Komische Kunst. Dann würde einiges besser laufen. Ich glaube, das ist ein realistisches Ziel, was in den nächsten 20 Jahren erreicht werden könnte. Schauen wir uns die Kasperköpfe an, die momentan die Weltpolitik vor sich hertreiben, das sind astreine Satiriker, wenn auch schlechte.

Was begeistert dich an deiner Arbeit und an Cartoons/Karikaturen am meisten?
Es ist nicht so, dass man den ganzen Tag nur lachen muss, obwohl das auch schon mal vorkommt. Cartoons und Karikaturen ermöglichen einen anderen Blick auf die Welt. Wenn sie gut gemacht sind zeigen sie was schief läuft und unterhalten dabei noch. Wenn man sich genauer mit Satire auseinandersetzt, ist das eine hervorragende Übung zum Querdenken, um sich seine Kritikfähigkeit zu erhalten oder auszubauen und vor allem um Dampf abzulassen. Der uns umgebende Wahnsinn ist schließlich nicht nur allgegenwärtig, er nimmt ja rasant zu.

Wie würdest du deinen Humor beschreiben?
Ich lache gerne und viel. Es darf dabei ruhig auch ein bisschen deftiger und schwärzer zugehen. Aber auch ein gut gemachter Kalauer oder eine vollkommen alberne Slapstick-Szene bringen mich zum Lachen. Am meisten liegt mir allerdings die skurrile und abseitige Komik.

Was waren in deinen Augen die entscheidenden Ereignisse und Veränderungen im Jahr 2016 und wie spiegelt sich das in der Ausstellung wider?
Auf den Punkt bringt es der Cartoon von Ralph Ruthe, in dem der Nachrichtensprecher nur noch eine Meldung hat: „Alle bekloppt geworden. Und nun zum Wetter.“

Die süße Doktrin der Individualisierung, also das haltlose Versprechen der Glückseligkeit in einem egozentrischen Weltbild, ist ja schon lange ein umfassender Bestandteil der Gesellschaft. Mittlerweile ist diese Haltung allerdings endgültig auch in der Weltpolitik angekommen. Wenn wieder Narzissten komplett das politische Ruder überlassen wird, kann das nicht gut gehen. 2016 wurden endgültig die Grundlagen dafür gelegt. Diese großen weltpolitischen Verwerfungen finden sich zentral in der Ausstellung wider.

Woran arbeitet ihr zur Zeit?
Momentan arbeiten wir an unserem nächsten großen Schritt auf dem Weg zur Weltherrschaft. Wir begleiten in diesem Sommer zum siebten Mal die Weltkunstausstellung documenta mit einer großen Bestandsaufnahme der Komischen Kunst. Unter dem Titel „Systemfehler“ nehmen wir uns den Irrsinn der Welt noch mal genauer vor. Geplant ist dabei auch eine Kabinett-Ausstellung mit Arbeiten der Istanbuler Satiremagazine. In Absprache mit der Bundesregierung wurde die Bundestagswahl genau auf unser Ausstellungsende gelegt. Somit haben wir den Wahlkampf während unserer Ausstellung. Das kann sehr lustig werden.

Das Bildungszentrum wünscht euch viel Glück beim Erreichen eures Zieles und bedankt sich für das Interview.

Interviewpartnerin war Almut Jürries.

Ausstellung: vom 13. März bis 27. April 2017
Öffnungszeiten: Wie im Bildungszentrum